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KIRCHE UND POLITIK

RES 2/2018

Kirchen sind Teil der Gesellschaft – als solche sind sie immer schon in Berührung mit aktuellen politischen Fragen. Dies gilt erst recht, wenn und insofern sie im sozialen Bereich tätig sind. Oft können sie sich der Notwendigkeit nicht entziehen, Stellung zu beziehen, da das staatliche Handeln sie direkt betrifft. Sowohl Mehrheitskirchen wie Minderheitskirchen können mit dem Staat kooperieren, wo es um gemeinsame Anliegen geht; in anderen Fällen sind sie aber auch dazu aufgerufen, im Rahmen ihres prophetischen Amtes Widerspruch einzulegen.

In orthodoxer Tradition wird die Kirche als gott-menschliche Institution verstanden; bei aller Begrenztheit dieser Definition zeigt sie doch an, dass auch die irdisch-geschichtliche Dimension zu ihrem Wesen gehört. In der reformatorischen Tradition steht Gottes Wort im Zentrum, das inmitten der geschichtlich gewachsenen Gestalt der Kirche zum Glauben und in die Nachfolge ruft. In beiden Fällen geht es darum, den Dienst der Kirche in dieser Welt so zu bestimmen, dass er deren Ursprung in Gottes Heilsplan entspricht. Das christliche Bekenntnis, dass Gott Mensch geworden ist, impliziert eine entschiedene Hinwendung zur Welt. Diese lebt vom Glauben, dass dem Auferstandenen „alle Macht im Himmel und auf Erden“ (Mt 28,18) gegeben ist. Gleichzeitig sind sich die Christen aber auch bewusst, dass den irdischen Autoritäten eine Leitungsaufgabe zukommt, der sie sich nicht entziehen dürfen (Röm 13,1-7; 1 Pet 2,13-17), so wie sich Jesus selber auch nicht entzogen hatte (Joh 19,11). In diesem Geist haben die Christen der ersten Jahrhunderte auch die Verfolgungen ertragen.

Gelten solche biblischen Anweisungen auch heute noch, oder haben sich die Parameter verschoben? Die Beziehung von Staat und Kirche trägt seit jeher eine gewisse Ambivalenz in sich. Oft haben sie in Symbiose miteinander gelebt und sich gegenseitig gestützt, wie es in gewissen Modellen zum Ausdruck kommt: der „byzantinischen Symphonie“, dem Caesaropapismus, der Lehre von den beiden Schwertern und anderen. Gleichzeitig ist die Perspektive aber doch deutlich unterschieden, hat doch die Geschichte aus der Sicht des christlichen Glaubens auch eine eschatologische Dimension. Können wir aus der Geschichte lernen? Welche politische Ordnung passt am besten zur Mission der Kirche? Soll sie die Menschenrechte in allen Ländern der Welt als Grundlage der Gesellschaft zu fördern suchen, und damit Pluralismus und Toleranz? Wie gross ist die Versuchung des Nationalismus? Auf welchen gesellschaftlichen Gebieten ist eine Zusammenarbeit angezeigt, wo hingegen sind Bereiche, in denen das staatliche Handeln den Werten des christlichen Glaubens auf eine Weise entgegensteht, die die Kirchen zur Ausübung ihres prophetischen Amtes nötigt?

 

Deadline: 15. März 2018

Email: res@ecum.ro.

Beiträge werden deutsch oder englisch publiziert und müssen den redaktionellen Richtlinien von RES entsprechen. http://www.res.ecum.ro/guidelines/

 

Call for papers RES 1/2018

Glauben übersetzen

In der Sprache ist die Identität einer Gemeinschaft aufgehoben: von der einfachsten mündlichen Mitteilung im Alltag bis zum schriftgewordenen geistigen Erbe in literarischen und religiösen Texten umfasst sie die prägenden Konzepte und diskursiven Ressourcen einer bestimmten Bekenntnisgemeinschaft. Neben dieser religiösen Dimension ist sie überhaupt ein Kernelement für soziale und kulturelle Identifikation und enthält damit oft auch subtile Grenzmarkierungen zwischen den Denominationen: wir reden von der Griechischen Kirche, von der Russischen Kirche oder auch von der Lateinischen Kirche, und indem wir so von einer Sprache zur anderen übergehen, scheint dies auch einen Übergang von einer Konfession zur anderen zu bedeuten.

Ein solcher Übergang von einer Sprache zur anderen vollzieht sich primär in Übersetzungsprozessen, besonders in Gebieten, in denen verschiedene Sprachgemeinschaften koexistieren oder unterschiedliche Sprachen für unterschiedliche Lebensbereiche verwendet werden. Die Art und Weise, wie verschiedene Formen von Übersetzungen von einer Sprache in die andere verwendet werden, sagt auch etwas über die Beziehungen zwischen den entsprechenden Gemeinschaften aus, und es stellt sich die Frage, inwieweit sprachliche Identität bestimmender ist als Bekenntnisbindung.

Die Zeitschrift RES sucht Beiträge zur Frage nach der Ethik und den Grundprinzipien von Übersetzungen im Bereich des Aufbaus von und der Verbindung zwischen religiösen Gruppen. Welche Rolle spielen Übersetzungen von biblischen und liturgischen Texten – zu denken ist etwa an die Septuaginta, die Vulgata, Luthers Bibelübersetzung, bis hin zu gegenwärtigen Adaptionen von liturgischen Hymnen in Diaspora-Gemeinschaften – für die Mission und die religiöse Praxis? Inwieweit behindert die Vorstellung einer „heiligen Sprache“ den Übersetzungsprozess?

In welcher Weise können Übersetzungen dazu benutzt werden, Kanonizität zu hinterfragen, und wie vielmehr dazu, Autorität und Traditionen einer bestimmten religiösen Gruppierung zu festigen? Übersetzungen ermöglichen ein besseres Verständnis des Anderen: inwieweit fördert dies den interkonfessionellen Dialog?  Könnte es sein, dass Übersetzungen zu einer Gemeinsamkeit im Ausdruck führen, zu einer sprachlichen Oikumene, die Anlass zur Hoffnung auch für eine Gemeinsamkeit im Glauben ist?

Deadline: 1. November, 2017

Email: res@ecum.ro.

Beiträge werden deutsch oder englisch publiziert und müssen den redaktionellen Richtlinien von RES entsprechen. http://www.res.ecum.ro/guidelines/

 

Call for papers RES 3/2017

Reformation und Orthodoxie

500 Jahre Reformation: das Gedenken an dieses Jubiläum hat je nach Land und Kirche ganz unterschiedliche Gestalt. Für die einen trägt es vor allem festlichen Charakter, für andere ist es die Chance zu einer (Rück-) Besinnung auf die eigene Identität, und wieder denken vor allem an die verpassten Chancen: statt der erwünschten Reform der einen Kirche kam es zur Bildung von Konfessionen, die je unterschiedliche Reformen durchführten: lutherisch, katholisch, anglikanisch, reformiert.

Scheinbar davon unberührt blieben damals – vorerst – die orthodoxen Kirchen, trotz einzelner herausragender Initiativen des Dialogs, worunter der Briefwechsel der Tübinger Theologen mit Patriarch Jeremias II im 16. Jahrhundert und des Erzbischofs von Canterbury mit dem Patriarchen Kyrill Lucaris im 17. Jahrhundert. Bis heute wird die Reformation aus orthodoxer Sicht vor allem als Spaltung der westlichen Kirche gesehen, die sie nicht direkt betrifft. Aufgrund der Migrationsbewegungen sind die Berührungspunkte in jüngerer Zeit aber stark gewachsen. In offiziellen Dialogen haben sich verschiedene orthodoxe Kirchen auch der Herausforderung gestellt, inhaltlich auf die reformatorische Theologie einzugehen. Die Nummer 3-2017 von RES will die orthodoxe Perspektive auf die Reformation und deren bestimmende Themen einerseits, reformatorische Einflüsse auf die orthodoxe Kirche und Theologie andererseits zum Ausdruck bringen.

Wo sind in der Geschichte solche Verbindungen auszumachen? Inwiefern können orthodoxe Kirchen heute von der Reformation lernen, inwieweit grenzen sie sich aber auch nach wie vor – oder sogar mehr als früher – von ihr ab? Gibt es Bemühungen um Reformen innerhalb der orthodoxen Kirchen, oder hat dieses Wort doch zumeist einen negativen Klang? Haben die offiziellen Dialoge zwischen den Kirchen eine Annäherung gebracht? Gibt es daneben andere Ebenen der Begegnung und gegenseitigen Beeinflussung, die in dieser Frage eine Rolle spielen? 

Deadline: 1. Juli 2017

Email: res@ecum.ro

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