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Call for papers RES 1/2018

Glauben übersetzen

In der Sprache ist die Identität einer Gemeinschaft aufgehoben: von der einfachsten mündlichen Mitteilung im Alltag bis zum schriftgewordenen geistigen Erbe in literarischen und religiösen Texten umfasst sie die prägenden Konzepte und diskursiven Ressourcen einer bestimmten Bekenntnisgemeinschaft. Neben dieser religiösen Dimension ist sie überhaupt ein Kernelement für soziale und kulturelle Identifikation und enthält damit oft auch subtile Grenzmarkierungen zwischen den Denominationen: wir reden von der Griechischen Kirche, von der Russischen Kirche oder auch von der Lateinischen Kirche, und indem wir so von einer Sprache zur anderen übergehen, scheint dies auch einen Übergang von einer Konfession zur anderen zu bedeuten.

Ein solcher Übergang von einer Sprache zur anderen vollzieht sich primär in Übersetzungsprozessen, besonders in Gebieten, in denen verschiedene Sprachgemeinschaften koexistieren oder unterschiedliche Sprachen für unterschiedliche Lebensbereiche verwendet werden. Die Art und Weise, wie verschiedene Formen von Übersetzungen von einer Sprache in die andere verwendet werden, sagt auch etwas über die Beziehungen zwischen den entsprechenden Gemeinschaften aus, und es stellt sich die Frage, inwieweit sprachliche Identität bestimmender ist als Bekenntnisbindung.

Die Zeitschrift RES sucht Beiträge zur Frage nach der Ethik und den Grundprinzipien von Übersetzungen im Bereich des Aufbaus von und der Verbindung zwischen religiösen Gruppen. Welche Rolle spielen Übersetzungen von biblischen und liturgischen Texten – zu denken ist etwa an die Septuaginta, die Vulgata, Luthers Bibelübersetzung, bis hin zu gegenwärtigen Adaptionen von liturgischen Hymnen in Diaspora-Gemeinschaften – für die Mission und die religiöse Praxis? Inwieweit behindert die Vorstellung einer „heiligen Sprache“ den Übersetzungsprozess?

In welcher Weise können Übersetzungen dazu benutzt werden, Kanonizität zu hinterfragen, und wie vielmehr dazu, Autorität und Traditionen einer bestimmten religiösen Gruppierung zu festigen? Übersetzungen ermöglichen ein besseres Verständnis des Anderen: inwieweit fördert dies den interkonfessionellen Dialog?  Könnte es sein, dass Übersetzungen zu einer Gemeinsamkeit im Ausdruck führen, zu einer sprachlichen Oikumene, die Anlass zur Hoffnung auch für eine Gemeinsamkeit im Glauben ist?

Deadline: 1. November, 2017

Email: res@ecum.ro.

Beiträge werden deutsch oder englisch publiziert und müssen den redaktionellen Richtlinien von RES entsprechen. http://www.res.ecum.ro/guidelines/

 

Call for papers RES 3/2017

Reformation und Orthodoxie

500 Jahre Reformation: das Gedenken an dieses Jubiläum hat je nach Land und Kirche ganz unterschiedliche Gestalt. Für die einen trägt es vor allem festlichen Charakter, für andere ist es die Chance zu einer (Rück-) Besinnung auf die eigene Identität, und wieder denken vor allem an die verpassten Chancen: statt der erwünschten Reform der einen Kirche kam es zur Bildung von Konfessionen, die je unterschiedliche Reformen durchführten: lutherisch, katholisch, anglikanisch, reformiert.

Scheinbar davon unberührt blieben damals – vorerst – die orthodoxen Kirchen, trotz einzelner herausragender Initiativen des Dialogs, worunter der Briefwechsel der Tübinger Theologen mit Patriarch Jeremias II im 16. Jahrhundert und des Erzbischofs von Canterbury mit dem Patriarchen Kyrill Lucaris im 17. Jahrhundert. Bis heute wird die Reformation aus orthodoxer Sicht vor allem als Spaltung der westlichen Kirche gesehen, die sie nicht direkt betrifft. Aufgrund der Migrationsbewegungen sind die Berührungspunkte in jüngerer Zeit aber stark gewachsen. In offiziellen Dialogen haben sich verschiedene orthodoxe Kirchen auch der Herausforderung gestellt, inhaltlich auf die reformatorische Theologie einzugehen. Die Nummer 3-2017 von RES will die orthodoxe Perspektive auf die Reformation und deren bestimmende Themen einerseits, reformatorische Einflüsse auf die orthodoxe Kirche und Theologie andererseits zum Ausdruck bringen.

Wo sind in der Geschichte solche Verbindungen auszumachen? Inwiefern können orthodoxe Kirchen heute von der Reformation lernen, inwieweit grenzen sie sich aber auch nach wie vor – oder sogar mehr als früher – von ihr ab? Gibt es Bemühungen um Reformen innerhalb der orthodoxen Kirchen, oder hat dieses Wort doch zumeist einen negativen Klang? Haben die offiziellen Dialoge zwischen den Kirchen eine Annäherung gebracht? Gibt es daneben andere Ebenen der Begegnung und gegenseitigen Beeinflussung, die in dieser Frage eine Rolle spielen? 

Deadline: 1. Juli 2017

Email: res@ecum.ro

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