Call for Papers 2/2021

Heilige Räume im Wandel

RES 2/2021

Unsere heutige Welt ist Zeugin kontrastierender Herangehensweisen an heilige Räume. Während in einigen Regionen (insbesondere in Westeuropa) das Interesse an religiösen Gebäuden als Kultstätten aufgrund des Rückgangs der Anzahl praktizierender Gläubiger abnimmt und sie manchmal in anderer Form als öffentliche Einrichtungen, Hotels oder Restaurants wiederverwendet werden, ist in anderen Regionen ein Aufblühen und eine intensivierte Aufmerksamkeit für die religiöse Architektur zu beobachten. Dies zeigt sich entweder am großflächigen Bau nationaler Kirchen (z. B. Kirche Hl. Sava, Belgrad; Kathedrale zur Erlösung des Volkes, Bukarest), an der Umwandlung ehemaliger Museen in Kultstätten (z. B. Chora- oder Hagia Sophia-Museen) oder an Verschiebungen in ihrem religiösen Status (z. B. die jüngste Umwandlung von Kirchen in Moscheen, wie im Fall der ehemaligen lutherischen Kapernaumkirche in Hamburg oder der ehemaligen Kirche Santa Maria Valverde in Venedig). Diese widersprüchlichen Tendenzen und Dynamiken im Verständnis der Rolle heiliger Gebäude bringen zum Ausdruck, dass die Nutzung heiliger Räume sowohl der Bestätigung der religiösen Identität als auch der Klärung von Machtverhältnissen dient. In Gebäuden verdichten sich unterschiedliche Werte, Erwartungen und soziale Projektionen einer Religionsgemeinschaft, und meistens hat der Ort selbst, an dem das Gebäude geweiht wird, eine eigene Bedeutung (z. B. Al-Aqsa-Moschee, Felsendom und vorgeschlagener dritter Tempel von Salomo in Jerusalem, Große Moschee von Mekka). Die höchst kontroverse Forderung nach einem dritten Tempel Salomos zeigt beispielhaft, wie wichtig ein bestimmter Ort für die Anbetung Gottes sein kann. Wenn jedoch verschiedene Religionsgemeinschaften denselben Ort (z. B. Tempelberg / Edles Heiligtum von Jerusalem) oder dasselbe Gebäude (z. B. die Hagia Sophia) beanspruchen, ist es schwer, kurzfristige oder sogar dauerhafte Lösungen zu finden.

In dieser Themennummer von RES finden Beiträge Platz, die sich unter anderem mit den folgenden Fragen befassen können: inwiefern spiegeln heilige Gebäude die Eingriffe des Politischen in das Religiöse wider? Was sind die rechtlichen und theologischen Grundlagen für die (Wieder-) Umwandlung von Kirchen in Moscheen und von Moscheen in Kirchen? Inwieweit und mit welchen vorhersehbaren Konsequenzen können der Aufbau, die Stilllegung, die Umnutzung oder die Umwandlung religiöser Räume eine Form der Herrschaft und Ausgrenzung darstellen? Ist die Vorstellung heiliger Räume als Orte der Gemeinschaft für verschiedene Konfessionen oder Religionen möglich? Können historische Sakralbauten zu ökumenischen Gebäuden werden, in denen verschiedene Konfessionen und Religionen unter dem gleichen Dach beten können? Willkommen sind auch Studien zur Architektursprache, mit der die komplexe Bedeutung von religiösen Gebäuden als heilige Räume zum Ausdruck gebracht wird; das können Beiträge von Architekten, Archäologen, Kunsthistorikern, Religionshistorikern, Theologen, Philosophen oder Politikwissenschaftlern sein. Es kann allgemein an Beiträge zur konfessionellen, ethischen, politischen und ästhetischen Bedeutung historischer heiliger Räume in abrahamitischen Religionen gedacht werden, wie etwa zur Hagia Sophia und zum historischen Kleinasien, zu Jerusalem und zum Heiligen Land, zur Region des Tigris-Euphrat-Beckens und zum weiteren Nahen Osten und dem Balkan.

Einsendeschluss: 1. Mai 2021

Email: res.sibiu@gmail.com

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